Beschreibung
Das in der Karte dargestellte Gefährdungspotenzial bezieht sich auf Ackerland, das flächenmässig der grösste gefährdende Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht. Es umfasst ein anbaubedingter Risikofaktor (Kultur) und zwei standortbedingte Faktoren (Bodenart und Relief). Die Faktoren werden in Risikostufen von Null bis vier eingeteilt.
Gesamtrisiko Ackerland
Das Zusammenführen aller Risikokoeffizienten zum Gesamtrisiko erfolgt durch statistische Funktionen. Die drei genannten Faktoren sind unterschiedlich gewichtet. Gründe dafür sind die bessere Differenzierung bei der graphischen Darstellung sowie weitere fachliche Abwägungen unter Einbezug von Expertenwissen:
• Der Faktor Kultur wird infolge seiner besonderen Bedeutung zweifach gewichtet.
• Generell geringe Unterschiede in der Oberbodenkörnung erlauben eine halbe Gewichtung.
• Das Relief wird einfach gewichtet.
So werden alle verfügbaren Informationen miteinbezogen und eine maximale Differenzierung erreicht.
Im offenen Ackerland liegen die Risikokoeffizienten im Bereich zwischen 1 und 4. Dauergrünland und Öko-Flächen sind mit 0 bewertet und werden auf der Karte blau dargestellt.
Die Faktoren im Einzelnen:
• Kulturen
Das Risiko der angebauten Kulturen liegt einerseits in der Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel (PSM) und Dünger, und andererseits an der Bodenbedeckung sowie dem Durchwurzelungsvermögen einer Kultur, was die Abschwemmung massgeblich beeinflusst. Als Datengrundlage wurden die angebauten Hauptkulturen der Jahre 2017 bis 2022 verwendet. Jeder Anbaufläche wird hierzu ein Kulturcode zugeordnet. Für Intensivkulturen wie Hackfrüchte oder Gemüsekulturen resultieren Werte von 3 und 4. Kulturen mit guter Durchwurzelung wie Getreide und Raps, oder solche mit niedrigem Einsatz von PSM und Dünger liegen im tiefen Bereich. Die vollständige Kulturenliste mit der Risikobewertung, abgestuft von 0 bis 4, ist in der Dokumentation zu finden (Kapitel 6. Anhang, Tab. 10).
• Körnung des Oberbodens (Bodenart)
Die Bodeneigenschaften beeinflussen das Abschwemmungsverhalten massgeblich bei der Infiltration der Niederschläge. Grundlage für diesen Faktor bildet die Bodenkarte der Landwirtschaftsflächen des Kantons Zürich. Hier ist die Feinkörnung des Oberbodens neben zahlreichen anderen Parametern des Bodens für alle Bodeneinheiten (Polygone) ersichtlich.
• Relief
Der Faktor Relief setzt sich aus den Teilfaktoren Hangneigung und Hanglänge zusammen. Er entspricht dem Durchschnitt dieser beiden Risikokoeffizienten. Falls einer davon Null ist, wird der gesamte Faktor Relief auf Risiko 0 gesetzt. Datengrundlage bilden die kantonale Höhenkarte von 2022 und die Neigungskarte von 2022.
Der Risikokoeffizient Hangneigung berechnet sich nach folgenden Überlegungen: Eine Übernahme der maximalen Neigung innerhalb einer Parzelle würde das Risiko überschätzen, die gemittelte Neigung dieses jedoch unterschätzen. Daher wurde die Methodik aus der Literatur übernommen, wonach einer Parzelle den höchsten Risikokoeffizienten zuzuweisen wäre, der in mindestens 25% ihrer Pixel vorkommt.
Die Hanglänge stellt ebenfalls ein bedeutsamer Faktor für Stofftransporte dar. Die Berechnung erfolgt über die gesamten Bodenkarteflächen. Hierzu wird der höchste und niedrigste Punkt jedes Polygons ermittelt. Die Hanglänge entspricht der Distanz zwischen den beiden Punkten.
Hintergrund
Der Eintrag von Nährstoffen, PSM und Feinsedimenten in Oberflächengewässer führt zu unerwünschten Gewässerbelastungen. Dabei stellen hydraulische Kurzschlüsse wie Entwässerungsschächte (Einlaufschächte) und Kontrollschächte ein wichtiger Eintragspfad dar. Je nach Bewirtschaftung des Ackers und der Standorteigenschaften ergeben sich unterschiedliche Risken bezüglich einer Gewässergefährdung. Funktionstüchtige Entwässerungsschächte und dichte Kontrollschächte in einwandfreiem Zustand senken diese Risiken. Aus der Karte können Hinweise abgeleitet werden, wo Schächte auf Ackerflächen mögliche Risiken bieten. Damit sollen Bewirtschafter und anderweitig Betroffene, z.B. Unterhaltsorganisationen, zur Risikominderung sensibilisiert werden. Zudem erlaubt sie, risikobasierte Überprüfungen möglichst effektiv vorzunehmen.